Fett in Muskeln umwandeln: Mythos oder Fakt?

Rund um das Fitnesstraining existieren neben vielen belegten Fakten leider auch zahlreiche Halbwahrheiten und Mythen. Für viele Neulinge ist es daher gar nicht so einfach, leere Versprechungen zu erkennen bzw. nicht auf diese hereinzufallen. Nach diesem Artikel wirst Du besser Bescheid wissen, welchen Äußerungen Du trauen kannst und welchen Aussagen Du eher mit Skepsis begegnen solltest.

Für kontroverse Diskussionen sorgt seit vielen Jahren die folgende Aussage: Fett kann in Muskelmasse umgewandelt werden! Ein sehr verlockend klingender Ansatz, denn schließlich sind viele Frauen unzufrieden mit ihrer Figur. Die erste Unzufriedenheit beginnt meist mit ein paar Fettpölsterchen am Bauch und findet ihren Höhepunkt, wenn die erst kürzlich erworbene Jeans wieder zu eng wird. Aus einem unserer vorherigen Artikel weißt Du bereits, dass Krafttraining hervorragend dazu geeignet ist, Körperfett zu reduzieren. In dem Artikel „Frauen Fitness: Runter vom Crosstrainer und ran an die Hanteln“ hast Du belegte und konkrete Fakten kennengelernt, warum Du mit Krafttraining Deinem Figurziel effektiv näher kommst. Darfst Du Dir nun also wirklich auch noch Hoffnung machen, vorhandene Fettpölsterchen in straffes Muskelgewebe umwandeln zu können? Welcher Wahrheitsgehalt hinter dieser Aussage steckt, erfährst Du in dem folgenden Artikel.

Wer meint, die Antwort zu kennen, der sollte dennoch aufmerksam weiterlesen. Im Rahmen dieses Artikels wird nämlich ein weiterer interessanter Aspekt aufgeklärt. Nämlich der, ob es möglich ist, zur gleichen Fett Muskelmasse aufzubauen und Fettmasse abzubauen. Auch diese These wird immer wieder aufgestellt.

Körpergewebe im Überblick: Muskelmasse vs. Fettmasse

Der menschliche Körper besteht in erster Linie aus Wasser, Knochen sowie Fett- und Muskelmasse. Bei dieser oberflächlichen Auflistung soll es auch bleiben, denn der Fokus liegt auf den Gemeinsamkeiten bzw. Unterschieden von Muskelmasse und Fettmasse.

Grundsätzlich sind beide Körpermassen völlig unterschiedlich aufgebaut. Während Fettmasse hauptsächlich aus Triglyceriden besteht, setzt sich Muskelmasse aus Myofibrillen zusammen. Bei Muskelmasse handelt es sich um stoffwechselaktive Körpermasse, was bedeutet, dass sie permanent Energie verbraucht. Deshalb steigt der Grundumsatz, sobald Du mehr Muskelmasse aufgebaut hast (1). Bei Fettmasse handelt es sich dagegen um eine Körpermasse, die nicht stoffwechselaktiv ist. Vielmehr dient die Fettmasse dem Körper als Energiequelle bei Nahrungsknappheit. Allein diese Beispiele bzw. Erläuterungen verdeutlichen, dass es sich bei Muskel- und Fettmasse um zwei völlig unterschiedliche Körpermassen handelt. Daher die schlechte Nachricht: Vorhandenes Fettgewebe kann leider nicht in Muskelgewebe umgewandelt werden! Hierbei handelt es sich eindeutig um einen Mythos!

Ist es denn möglich, Fett abzubauen und gleichzeitig Muskeln aufzubauen?

Nachdem nun vermutlich die erste Enttäuschung verdaut werden muss, soll die Frage beantwortet werden, ob denn zumindest der Muskelaufbau und der Fettabbau zur gleichen Zeit stattfinden kann. Die einigermaßen gute Nachricht lautet: Muskeln aufzubauen und gleichzeitig Fett abzubauen ist nicht unmöglich. Meistens gelingt dies vor allem Fitness-Einsteigern (vor allem bei Übergewicht). Sobald sich der Körper aber an den neuen „Lifestyle“ gewöhnt hat, gelten wieder andere Gesetzmäßigkeiten. Daher muss erwähnt werden, dass es langfristig nicht effektiv ist, beide Ziele zur gleichen Zeit erreichen zu wollen.

Der Grund liegt vor allem in den unterschiedlichen Voraussetzungen, was die Ernährung betrifft. Für den Abbau von Fettmasse bzw. Körpergewicht muss eine hypokalorische Kalorienaufnahme erfolgen. Dies bedeutet, dass dem Körper weniger Energie zugeführt werden muss als er verbraucht. In diesem Fall wird ein Kaloriendefizit erreicht. Die Fehlmenge, die zur isokalorischen Versorgung (bedarfsgerechte Ernährung) benötigt wird, zieht der Körper (im Idealfall) aus gespeichertem Körperfett. Dieser Prozess hat den Abbau von Fettmasse zur Folge.

Für den Muskelaufbau hingegen wird eine hyperkalorische Ernährung notwendig. Dies bedeutet, dass der Körper mehr Energie benötigt als er verbraucht. In diesem Fall besteht ein Kalorienüberschuss. Dieser Kalorienüberschuss wird benötigt, um zusätzliche Körpermasse aufzubauen. Ein intensives Training sorgt für den Anreiz, Muskelmasse aufzubauen. Die hyperkalorische Ernährung liefert die Bausteine für diesen Prozess. In diesem Zusammenhang muss allerdings beachtet werden, dass ohne ein entsprechendes Training ein Kalorienüberschuss in dem Aufbau von Körperfett resultiert.

Fazit: Gravierende Unterschiede zwischen Muskelaufbau und Fettabbau

Es wäre auch zu schön gewesen, aber leider besteht nicht die Möglichkeit, Fettmasse in Muskelmasse umzuwandeln. Aussagen in dieser Form sind daher nicht haltbar. Nicht unmöglich, aber auf Dauer ineffektiv, ist es, gleichzeitig Muskeln aufzubauen und Fett abzubauen. Zunächst mag dies zwar unter Umständen gelingen, aber körperliche Anpassungsprozesse, die mit zunehmender Trainingserfahrung einhergehen, dürften diesen Effekt zunichtemachen. Dies hängt primär mit den unterschiedlichen Ernährungssituationen zusammen, die für den jeweiligen Prozess nötig sind. Du solltest Dich also idealerweise für eine Zielsetzung entscheiden. Stören Dich ausgeprägtere Fettpolster an Bauch, Po oder Beinen, und rückt der Sommer näher, dann ergibt es Sinn, sich auf den Fettabbau zu fokussieren. Möchtest Du hingegen im Herbst und Winter die Grundlage dafür legen, leistungsfähiger und etwas muskulöser zu werden, solltest Du den Schalter auf Muskelaufbau umlegen. Mit einer maximalen Fokussierung erreichst Du Dein Ziel in jedem Fall deutlich schneller!

Wir wünschen Dir viel Erfolg bei dem Erreichen Deiner Wunschfigur!

Quellenangaben:

(1) Prof. Dr. Theodor Stemper, „Stärkere Muskeln erhöhen den Grundumsatz“, unter: https://www.fitness-gesundheit.uni-wuppertal.de/fileadmin/fitness-gesundheit/pdf-Dokumente/Publikationen/2015/Prof.Stemper_F_G_3-15.pdf (abgerufen am 04.02.2019)

 

 

 

Der vorherige Eintrag Der nächste Eintrag

0 Kommentare