Muskelkater – Mythen, Fakten und Irrtümer

Er ist bis heute umstritten und wird geliebt sowie gehasst: Muskelkater. Während er bei vielen Sportlern als Zeichen der harten Arbeit und Erfolg gilt, möchten die anderen ihn einfach nur so schnell wie möglich wieder los werden. Mittlerweile häufen sich die Mythen über die Post-Workout-Erscheinung und selbst eingefleischte Fitness-Freaks wissen meist nicht so recht, was Muskelkater eigentlich ist und wie er entsteht. Eine weitere wichtige Frage: Wie werde ich den Kater wieder los? Wir haben uns auf die Suche nach Mythen, Fakten und Irrtümern gemacht und liefern Ihnen endlich Antworten auf alle Ihre Fragen.

Was genau ist Muskelkater und wie entsteht er eigentlich?

Muskelkater entsteht bei einer intensiven oder ungewohnten Belastung der Muskeln. Vor allem starke Muskelkontraktionen, die immer dann entstehen, wenn ein Muskel eine Bewegung abbremst, führen häufig zu Muskelkater. Der unangenehme Schmerz entsteht also immer dann, wenn Muskeln beansprucht werden, die sonst kaum genutzt werden oder eine extreme Überbelastung entsteht. Gerade bei neuen Workouts und einem härterem Training kann es zu winzigen Rissen in den Muskelfasern kommen. In die entstandenen Risse tritt anschließend Flüssigkeit ein. Dadurch entstehen Gewebeschwellungen, die den fiesen Schmerz auslösen. In der Regel dauert dieser Prozess oftmals bis zu 24 Stunden. Daher tritt der Muskelkater meistens erst nach einem Tag auf. Die betroffenen Muskeln fühlen sich dann besonders hart an, schmerzen und sind nur beschränkt belastbar.

Faktencheck: Die 5 größten Mythen über Muskelkater

„Wer sich nach dem Training dehnt, bekommt keinen Muskelkater“

Grundsätzlich ist ausgiebiges Dehnen nach jedem Workout empfehlenswert. Es aktiviert die Muskeln und sorgt dafür, dass Sie flexibel und gelenkig bleiben. Doch hilft es auch gegen Muskelkater? Laut einer Studie der Universität Sydney ist diese Behauptung nicht wahr. Die Uni testete mehrere Kandidaten, die sich jeweils bis zu zehn Minuten nach dem Training stretchten. Das Ergebnis: Ernüchternd. Die Schmerzlinderung lag demnach bei weniger als einem Prozent.

Dabei ist es egal, ob Sie sich vor oder nach dem jeweiligen Workout dehnen. Anstatt die Muskeln zu schonen, kann man sich durch das Dehnen vor dem Training sogar in Gefahr begeben und sich Zerrungen im Muskelgewebe zufügen. Anstatt sich zu stretchen, empfiehlt es sich, eine kurze Aufwärm-Einheit auf dem Crosstrainer oder dem Laufband. Schon zehn Minuten reichen aus, um Ihren Kreislauf in Schwung zu bringen und Ihre Muskeln langsam aufzuwärmen. Wer gut aufgewärmt an sein Workout geht, kann gefährliche Muskelzerrungen sowie ungewollten Muskelkater gekonnt vorbeugen.

„Muskelkater kommt von übersäuerten Muskeln“

Fast jedes kennt den Spruch: „Muskelkater kommt von übersäuerten Muskeln“. Lange Zeit wurde angenommen, dass die Schmerzen nach dem Training durch eine Übersäuerung im Muskel entsteht. Da bei starker Belastung Milchsäure in den Muskeln entsteht, muss diese anschließend abgebaut werden. Diese These ist allerdings längst widerlegt.

Muskelkater entsteht nämlich nicht durch eine Übersäuerung, sondern ist das Ergebnis von ungewohnten Muskelkontraktionen. Durch die extreme Belastung von bestimmten Regionen, wird die Muskelfaserstruktur beschädigt. Es entstehen kleine Risse, die anschließend heilen müssen. Die Folge: Während des Heilungsprozess entstehen Schwellungen im Bindegewebe. Diese können den typischen Schmerz verursachen.

"Wer nach dem Training keinen Muskelkater hat, trainiert nicht hart genug“

Da Muskelkater nach wie vor als Indiz für hartes Training gilt, hört man immer wieder Sprüche wie: „Ohne Muskelkater, kein Muskelaufbau“ oder „Wer nach dem Training keinen Muskelkater hat, trainiert nicht hart genug“. Doch wie kann es dann sein, dass der eine schon nach kurzem Training enormen Muskelkater bekommt und der andere selbst nach extrem beanspruchenden Workouts, ohne den Schmerz verweilt. Ganz egal, ob Sie zu den Personen gehören, die selbst nach stundenlangem Training keinen Muskelschmerz bekommen oder einer der Menschen sind, die schon nach einem Set Squats am nächsten Morgen kaum mehr aufstehen können, Muskelkater ist definitiv kein Indiz für wachsende Muskeln. Bis jetzt konnte keinerlei Zusammenhang zwischen den Schmerzen und dem Muskelaufbau festgestellt werden.

Was allerdings wahr ist: Je öfters Sie trainieren und je athletischer Sie sind, desto weniger Muskelkater bekommen Sie. Falls Sie also nach einem intensiven Workout einmal keinen Muskelkater bekommen, können Sie ganz beruhigt sein: Die Schmerzen haben keinerlei Einfluss auf Ihr Muskelwachstum.

„Bewegung hilft gegen Muskelkater“

Ein weiterer weit verbreiteter Mythos: „Nichts hilft besser gegen Muskelkater, als Bewegung.“ Leider müssen wir Ihnen von diesem Tipp abraten. Wer Muskelkater hat, sollte sich entschieden schonen und seine Muskeln nicht noch zusätzlich belasten. Ähnlich wie andere Verletzungen, muss Muskelkater heilen – und das kann dauern. Setzen Sie also bei starkem Muskelkater Ihr Training so lange aus, bis Sie wieder vollkommen fit und schmerzfrei sind. Wer die Schmerzen ignoriert und sein Workout trotzdem durchzieht, riskiert schwere Muskelverletzungen. Zusätzlich dazu verlangsamen Sie den Heilungsprozess Ihrer Muskeln und blockieren damit einen gesunden Muskelaufbau. Gönnen Sie sich also die Pause, die Ihre Muskeln brauchen, bis sie wieder voll einsatzbereit sind.

„Massagen helfen gegen Muskelkater“

Sicherlich wurde Ihnen auch schon einmal vorgeschlagen, Ihre verletzten Muskeln massieren zu lassen. Das Kneten und Massieren soll die Schmerzen lindern und zu einer schnelleren Heilung führen. Allerdings ist eher das Gegenteil der Fall: Bei Muskelkater handelt es sich um verletztes Gewebe. Dieses sollte nicht noch mehr beansprucht werden. Daher gilt bei einem Kater: Finger weg! Solange Ihre Muskeln weh tun, sollten diese weder massiert noch anderweitig belastet werden. Sie könnten damit die Risse im Gewebe noch mehr vertiefen und die Heilung dadurch verzögern.

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