Muskeln durch Stromstöße? So funktioniert EMS

Das größte Problem vieler Menschen heutzutage: Zeitmangel. Neben einem zeitaufwendigen Berufsleben warten oft wichtige persönliche Verpflichtungen wie das Programm mit der Familie und das Pflegen von Freundschaften. Nicht selten haben viele Abnehmwillige das Problem, in diesem knapp bemessenen Zeitplan auch noch Sport unterzubringen. Denn grundsätzlich gilt:

Wer Muskeln aufbauen will, muss mindestens drei Mal die Woche eine Stunde lang trainieren. Die Revolution: EMS Training. Mit nur 20 Minuten Training pro Woche fit werden, das verspricht EMS. Doch wie kann das funktionieren? Und was ist EMS Training eigentlich genau? Wir erklären Ihnen den genauen Ablauf und die wichtigsten Vor- und Nachteilen.

Was ist EMS Training und woher kommt es?

EMS Training ist Sport mit Stromimpulsen. Die Abkürzung EMS steht für Elektromyostimulation, was so viel bedeutet wie elektrische Muskelstimulation. Ursprünglich wurde EMS Training in der Physiotherapie angewendet und sollte Menschen mit stark geschwächten Muskeln dabei helfen, ihre Muskeln schnell wieder aufzubauen. Auch bei Profisportlern konnte dank EMS Muskelschwund bei Verletzungen vorgebeugt werden. Zusätzlich dazu zählte EMS als Trainingsergänzung und half Sportlern bei der zusätzlichen Stimulation ihrer Muskeln.

Mittlerweile ist EMS Training für jeden zugänglich und eignet sich vor allem für Menschen, die mit wenig Aufwand einen maximalen Muskelaufbau erzielen möchten. Während bei einem normalen Workout alle Muskeln durch Gewichte und eine daraus resultierende Anspannung aufgebaut werden, erfolgt der Muskelaufbau beim EMS Training durch elektrische Impulse, die bestimmte Muskelkontraktionen hervorrufen. Dabei liegt die Kontraktion enorm hoch mit ganzen 85 Bewegungen pro Sekunde. Doch anstatt Menschen einfach nur an Kabel anzuschließen und Reizstrom fließen zu lassen, wird man beim EMS Training während ausgewählten Bewegungsabläufen unter Strom gesetzt. Dies soll den Trainingserfolg maximieren. Laut EMS-Anhängern soll ein 20-minütiges Training mit der EMS Methode ebenso effektiv sein, wie drei Stunden reguläres Training ohne Reizstrom.

Was passiert beim EMS Training?

Vor jedem EMS Training haben Sie eine intensive Rücksprache mit Ihrem Trainer. Dabei wird besprochen, ob eventuelle Beschwerden vorliegen und welches Trainingsziel genau erreicht werden soll. Wenn alles abgeklärt wurde, kann es losgehen. Um zu starten, müssen Sie in einen hautengen Trainingsanzug schlüpfen. Darunter sind Sie komplett nackt, damit der Strom optimal fließen kann. Über dem Anzug werden Gurte verlegt und eine Weste übergezogen. Die gesamte Trainingskleidung wird außerdem vorab mit warmen Wasser besprüht, damit der Strom optimal geleitet werden kann. Aber keine Sorge: Die Stromimpulse sind auf jeden Körperteil abgestimmt und verursachen keinerlei Schmerzen. Es ist lediglich eine leichte Vibration zu spüren. Bitte beachten Sie: Falls Sie Schmerz empfinden, müssen Sie dies Ihrem Trainer umgehend mitteilen. Im Falle von Schmerzen ist der Strom zu hoch eingestellt. Danach geht es los mit dem eigentlichen Workout. Dabei handelt es sich in der Regel um unterschiedliche Halteübungen, die nur wenige Sekunden andauern. Wenn Sie einen professionellen Trainer vor sich haben, wird er Ihnen jede Übung vormachen und eventuelle Fehler direkt ausgleichen. Was viele beim ersten EMS Training überrascht, ist die Tatsache, wie schnell die Übungen wechseln. Oftmals genügt eine Übung mit einem Intervall von zehn Sekunden.

Grundsätzlich gestaltet sich EMS wie ein herkömmliches Krafttraining. Der einzige Unterschied ist die Länge der Übungen. Außerdem werden alle Bewegungen durch die Stromimpulse maximiert und somit ist auch die Anstrengung höher. Also Vorsicht: Nach dem ersten EMS Training ist Muskelkater fast immer vorprogrammiert.

Was sind die Vorteile von EMS Training?

Der wohl größte Vorteil vom EMS Training ist die Zeitersparnis. Mit EMS schaffen Sie in wenigen Minuten, wofür Sie sonst Stunden brauchen. Somit eignet sich die Sportart optimal für Menschen mit wenig Zeit und Sportmuffel. Ebenso gut ist das EMS Training für Menschen mit körperlichen Einschränkungen oder Verletzungen. Denn die meisten Übungen sind relativ einfach ausführbar und können oftmals sogar im Sitzen und mit besonders wenig Aufwand durchgeführt werden. Wer also eine Verletzung an den Beinen hat und trotzdem nicht auf gestärkte Oberarme und einen muskulösen Rücken verzichten möchte, ist mit EMS gut beraten. Ein weiterer Vorteil von EMS Training ist der punktgenaue Trainingseffekt. Sie können sich also dazu entscheiden, nur eine bestimmte Region zu trainieren und dies mit EMS gezielt tun. Somit können Sie beispielsweise Ihren Rücken zusätzlich stärken oder Ihr langersehntes Six-Pack mit geringem Aufwand erzielen. Da EMS die Muskeln maximale strapaziert, hält der Trainingseffekt noch Stunden nach dem Workout an. Somit ist EMS ein Garant für den sogenannten Nachbrenneffekt. Das Training mit Starkstrom regt den Stoffwechsel an und sorgt für mehr Kraft und eine gelungene Stärkung der Muskulatur.

Was sind die Nachteile und Risiken von EMS Training?

Neben der Tatsache, dass EMS Training nicht nur um einiges kostenintensiver als ein herkömmliches Workout ist, birgt die innovative Sporttechnik noch weitere Risiken. Mehrere Neurophysiologen warnen vor dauerhaften Muskelschäden und Gefahren für die Nieren. Die größte Gefährdung ist allerdings nicht EMS selbst, sondern nicht ausreichend geschultes Personal, das EMS Training durchführt. Somit wird die Intensität des Starkstroms oftmals nicht richtig eingestellt und die Belastung damit falsch eingestuft. Dadurch kann es zu einer dauerhaften Überlastung kommen, die eher Schäden, als Vorteile, für den Körper hervorruft. Die Folgen können Schwindel, Übelkeit und eine Belastung der Nieren sein. Dies kann anhand des CK-Werts gemessen wert. Creatin-Kinase ist ein Enzym, welches bei einem starken Muskelkater vermehrt im Blut nachweisbar ist. Je höher der Wert, desto stärker ist die Beschädigung der Muskulatur.

Laut mehreren Studien ist die Belastung bei einem EMS-Training um einiges höher, als die Belastung eines normalen Workouts und somit auch der CK-Wert bei EMS-Teilnehmern entsprechend hoch. Da der Stoff nur über die Niere abgebaut werden kann, kann dies zu einer dauerhaften Überlastung der Nieren führen. Abgesehen davon ist EMS Training zwar intensiv, aber bei weitem nicht die effizienteste Trainingsform. Wer nämlich nicht nur seine Muskulatur stärken möchte, sondern ebenso mehr Ausdauer haben möchte, sollte auf ein regelmäßiges Cardio-Workout und herkömmlichen Kraftsport nicht verzichten. In guten Händen bei einem Fachmann und als Ergänzung zu einem regulären Sportprogramm eignet sich EMS aber hervorragend.

 

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