Mythos Entschlackungskur – Eine Diätkur ohne Wirkungsnachweis

Die Entwicklung der Medizin in den letzten Jahrhunderten ist von vielen Fortschritten aber auch Sackgassen und Irrtümern gekennzeichnet. Das ist auch völlig normal, da sich die Bearbeitung eines medizinischen Problems immer im kulturellen und wissenschaftlichen Umfeld des jeweiligen Zeitalters abspielt.

So wurden in früheren Jahrhunderten Vorstellungen über physiologische und pathophysiologische Zusammenhänge entwickelt, die einer Überprüfung mit den heutigen Möglichkeiten der Biologie, Biochemie und Medizin nicht standhalten oder widerlegt werden. Das ist ein normaler Vorgang und belegt den wissenschaftlichen Fortschritt und Erkenntnisgewinn.

Allerdings sollte der Erkenntnisgewinn dann auch dazu führen, dass eine widerlegte oder nicht beweisbare Annahme ad acta gelegt wird. Dies ist bei vielen Protagonisten und Anhängern alternativer und traditioneller Heilverfahren häufig nicht der Fall. So entstehen wider besseres Wissen medizinische Mythen, die von ihren Protagonisten auch verbissen verteidigt werden. Die Behauptung, dass der Körper regelmäßig entschlackt werden müsse gehört dazu.

Entschlackungskuren sind medizinischer Blödsinn Wenn eine Entschlackungs- und Entgiftungskur von Erfolg gekrönt sein soll, setzt das voraus, dass solche Schlacken im Körper tatsächlich anfallen und diese mit der Kur entfernt werden können. Beides lässt sich wissenschaftlich nicht belegen. Was sagen die Fakten?

  • Stoffwechselendprodukte Bei der Verarbeitung der Nahrung nach Aufnahme und Resorption fallen Stoffwechselprodukte an, die entsorgt werden müssen und auch giftig sein können. Das übernehmen Leber und Nieren. Solange diese Organe gesund sind, fallen keine Schlacken an, auch nicht im Darm, die durch besondere Maßnahmen entfernt werden müssten.
  • Stoffwechselablagerungen Ablagerungen aus Stoffwechselprozessen kommen in einzelnen Geweben vor und haben krankheitspotenzial, wenn sie eine kritische Menge überschreiten. Dazu gehören Cholesterin-Plaques in Arterien, die zu Arteriosklerose führen, Ablagerungen von Harnsäurekristallen in Gelenken bei Gicht und Protein-Ablagerungen in Nervengeweben als mögliche Ursache von Alzheimer und anderen neurodegenerativen Erkrankungen. Diese Ablagerungen sind bis heute nicht medikamentös zu entfernen und haben auch nichts mit den Schlacken zu tun, die theoretisch durch eine Entschlackungskur ausgeschwemmt werden könnten, selbst wenn sie im Darm vorkämen.
  • Entschlackungsdiäten Wird in der medizinischen Datenbank PubMed nach klinischen Studien zu Entschlackungsdiäten gesucht, findet sich keine klinische Studie, die das Ausschwämmen von Stoffwechselschlacken beim Menschen belegt. Es kann also davon ausgegangen werden, dass es keine wissenschaftlichen Belege für die behauptete Entschlackungswirkung verschiedener Diäten gibt. 
  • Heilerfolge Protagonisten von Entschlackungsdiäten, die auch oft als Heilfasten bezeichnet werden, behaupten gesundheitsfördernde Effekte der Diät. So soll eine Entschlackungskur sich positiv auf Symptome einiger chronischer Erkrankungen wie Entzündungen, metabolisches Syndrom, Hauterkrankungen, Migräne und einige mehr. Tatsächlich gibt es für solche Erfolge auch wissenschaftliche Belege. Allerdings sind die positiven Wirkungen der Diät oder des Fastens eher auf die damit verbundene Gewichtsabnahme durch Kalorienreduktion zurückzuführen. Ein Erfolg der nur hypothetisch existierenden Entschlackung sind sie jedenfalls nicht.
  • Gesundheitsrisiken Entschlackungsdiäten sind mit Kalorienreduktion verbunden. Dies führt wie bei allen kalorienreduzierten Diäten zu einem Abbau von Fettgewebe und damit verbunden zur Freisetzung von fettlöslichen Schadstoffen aus den Fettzellen. Ob diese Schadstoffe für gängige Nebenwirkungen von Entschlackungsdiäten verantwortlich sind, ist derzeit noch unklar. Zu den häufigsten Nebenwirkungen solcher Diäten können zählen: Kreislaufstörungen mit Schwindel, Herzrhythmusstörungen und die Bildung von Nierensteinen.

Trotz der sehr dürftigen Datenlage werden verschiedene Entschlackungskuren kommerziell angeboten. Auch Kliniken haben sich auf solche Kuren spezialisiert. Für einen gesunden Erwachsenen sind solche Kuren bestenfalls unnötig und entschlacken mehr das Portemonnaie als den Körper. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung sieht solche Diäten zur Gewichtsreduktion kritisch und empfiehlt Heilfasten nur kurzfristig als Einstieg zur Ernährungsumstellung zu nutzen.

Fazit: Entschlackungskuren sind medizinischer Blödsinn, da der gesunde Mensch weder Schlacken noch giftige Stoffwechselprodukte ansammelt. Die in einigen Fällen beobachteten positiven Ergebnisse von Entschlackungskuren sind auf Gewichtsabnahme als Folge der Kalorienreduktion zurückzuführen. Soll bei Übergewicht eine Gewichtsreduktion das Ziel einer Diät sein, sind spezielle Formulardiäten oder am besten Ernährungsumstellung die bessere Wahl.

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