Nordische Diät oder Mittelmeer Diät – Was ist besser für die Gesundheit?

Welche Ernährungsform ist gesund, wie kann ich mich durch Ernährung vor Krankheiten schützen und ein langes Leben in Gesundheit sichern? Diese Fragen stellen sich sehr viele Menschen und bekommen von Fachleuten und Protagonisten häufig einfache und auch durchaus einleuchtende Antworten, die mit Studiendaten belegt werden.

Das klingt solide, ist aber trotzdem nicht der Weisheit letzter Schluss, da in den meisten Fällen die Methode der Datenerhebung keine kausalen Beziehungen zwischen Ursache, also der Diät, und Wirkung, dem gesundheitlichen Nutzen, aufzeigen kann. Das macht die Beurteilung von Diät- und Ernährungsempfehlungen so schwierig. Ein Vergleich zwischen der relativ neu propagierten nordischen Diät und der etablierten mediterranen Diät macht das deutlich.

Datenanalysen können keine eindeutigen Vorteile einer Diät ermitteln

Zunächst stellt sich die berechtigte Frage, ob wir überhaupt eine neue Ernährungsempfehlung in Form der nordischen Diät brauchen, wo doch der Nutzen der mediterranen Diät für Gesundheit und Lebenserwartung durch Erfahrung und einschlägige wissenschaftlichen Studien gut belegt ist. Neben dem gesundheitlichen Effekt einer Ernährungsweise, geht es auch um Verfügbarkeit, Transportwege und kulturelle Präferenzen bestimmter Nahrungsmittel.

So ist im nördlichen Europa davon auszugehen, dass wichtige Bestandteile der mediterranen Kost wie Obst (Trauben, Orangen und Feigen), Nüsse und Oliven nicht immer frisch verfügbar sind und über weite Strecken transportiert werden müssen.

Deshalb macht es durchaus Sinn, eine Ernährungsform zu propagieren, die auf Lebensmittel aus mittleren und nördlichen Breitengraden setzt. Dazu gehören Äpfel und Birnen, Kohl- und Karotten, Vollkorn, Milch und Käse sowie Kartoffeln. Ob diese nordische Diät gleiche gesundheitliche Vorteile bietet wie die Mittelmeerdiät, sollte eine von Wissenschaftlern des Deutschen Institut für Ernährungsforschung aus Potsdam durchgeführte Studie liefern. Tatsächliche fanden die Wissenschaftler auch Unterschiede.

So konnten Anhänger der Mittelmeerdiät ihr Risiko über den 10jährigen Beobachtungszeitraum für Diabetes und Herzinfarkt statistisch signifikant senken. Anhänger der nordischen Diät konnten ihr Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall ebenfalls senken, beides allerdings nicht statistisch signifikant. Kann aus diesem Studienergebnis nun geschlossen werden, dass die nordische Diät der mediterranen Diät hinsichtlich gesundheitlichen Nutzens unterlegen ist?

Wohl kaum, handelt es sich doch um eine Datenanalyse von Beobachtungen, die nur wechselseitige Beziehungen zwischen den untersuchten Parametern aufzeigen kann. Ob diese nun ursächlich oder zufällig miteinander korrelieren, kann durch die Art der Studie nicht entschieden werden.

So könnte das tendenziell schlechtere Abschneiden der nordischen Diät auch damit erklärt werden, dass nicht alle gesundheitsrelevanten Parameter wie Körpergewicht, Blutdruck, Alkoholkonsum, Rauchen etc. in den beiden Gruppen gleich verteilt waren bzw. gleich abgefragt wurden. Grundsätzlich ist das Studiendesign nicht dazu geeignet, um valide Aussagen zu einer der beiden Ernährungsformen zu generieren. Wurden die Studienteilnehmer doch zu Studienbeginn, also vor etwa 10 Jahren nach ihren Ernährungsgewohnheiten befragt.

Je nach Antwort fanden sich die Teilnehmer dann in einer der beiden Diätgruppen oder keiner von beiden wieder. Anschließend wurden die Teilnehmer alle paar Jahre erneut nach gesundheitlichen Ereignissen befragt, deren Ergebnisse dann einer der Gruppen zugeordnet wurden. Erlitt also jemand aus der nordischen Gruppe einen Herzinfarkt, ergab das ein Ereignis, das auf die nordische Diät zurückzuführen sein könnte.

Das ist natürlich ziemlicher Nonsens, wird jedoch sehr häufig auch von seriösen Wissenschaftlern so gemacht, weil bessere Methoden kaum zur Verfügung stehen und darüber hinaus nur schwer zu finanzieren sind. Wichtig ist, die von den Wissenschaftlern in ihren Publikationen aufgezeigten Schwachpunkte der Analyse ernst zu nehmen und darauf auch in nachfolgenden Sekundärveröffentlichungen oder Kommentaren hinzuweisen.

Sonst kann es schnell passieren, dass eine wissenschaftlich sehr wacklige Überlegenheit einer bestimmten Diät nach diversen Beiträgen und Berichten in Publikumsmedien plötzlich zu einer unumstößlichen Wahrheit wird.

Fazit:

Die Frage, ob die nordische Diät der mediterranen Diät bezüglich seines gesundheitlichen Nutzens unterlegen ist, kann auf Basis von beobachtenden Datenanalysen nicht beantwortet werden. Vermutlich ist es für die Gesundheit viel wichtiger, sich insgesamt ausgewogen zu ernähren. Dann spielt es nur eine untergeordnete Rolle, ob die Art der Ernährung als nordisch oder mediterran bezeichnet wird.

Quelle: Galbete, C, et al. Nordic diet, Mediterranean diet, and the risk of chronic diseases: the EPIC-Potsdam study. BMC Med 16, 99 (2018) doi:10.1186/s12916-018-1082-y

Der vorherige Eintrag Der nächste Eintrag

0 Kommentare