Übersäuerung des Körpers – Mythos oder tatsächliche Gefahr?

Überall wird es empfohlen: Basische Ernährung, Fastenkuren und Co., der Kampf gegen die Übersäuerung des Körpers ist in vollem Gange. Schon länger wird darüber diskutiert, ob eine Übersäuerung tatsächlich möglich ist oder ob es sich dabei nur um einen neuen Trend handelt, mit dem jede Menge Geld verdient werden kann. Kann der menschliche Körper tatsächlich übersäuern?

Und wenn ja, welche Gefahren lauern dann? Wir haben uns auf die Suche nach Antworten gemacht und versorgen Sie mit allem Wissenswerten zum Thema Übersäuerung.

Was ist eine Übersäuerung?

Laut diversen Ernährungsexperten kann der menschliche Körper übersäuern. Dies passiert anscheinend auf Grund der falschen Ernährung. Wer also dauerhaft „falsche“ Lebensmittel zu sich nimmt, soll Gefahr laufen, eine Übersäuerung des Körpers zu erleiden. Grundsätzlich werden alle Nahrungsmittel bei Anhängern der Theorie in zwei Kategorien eingeteilt:

  • Basische Lebensmittel
  • Saure Lebensmittel

Während saure Lebensmittel den Säureanteil im Körper erhöhen und dadurch für Entzündungen sorgen sollen, können basische Lebensmittel dem entgegenwirken und den Körper im Gleichgewicht halten. Ein übersäuerter Körper ist laut Experten der Alternativmedizin der perfekte Nährboden für Krankheiten. Die Folgen seien Vergiftungen, die sich in Form von Diabetes, Arthrose, Sodbrennen und Muskelschwund zeigen. Viele Unterstützer der Theorie sind sogar der festen Überzeugung, dass eine dauerhafte Übersäuerung zu Krebs führen kann. Ein basischer Körper soll dagegen vor allen Krankheiten bewahren. Die ersten Anzeichen für eine Übersäuerung sind Müdigkeit, ein Mangel an Energie, Schlaflosigkeit und Antriebslosigkeit. Auch Gewichtszunahme und schlechte Laune können das Resultat einer Übersäuerung sein.

Was hilft gegen die Übersäuerung des Köpers?

Das einzige Mittel gegen eine Übersäuerung ist das Entgegenwirken mit basischen Lebensmitteln. Es werden Basenkuren empfohlen, heilende Anwendungen oder unterstützendes Heilfasten. Auch Pulver und basische Bäder versprechen eine schnelle Heilung und sollen dabei helfen, den Körper zu entsäuern. Um an Ihrem Säurehaushalt zu arbeiten, sollten Sie nur noch zu basischen Nahrungsmitteln greifen und viel Wasser trinken. Grundsätzlich werden die Lebensmitteln von Alternativmedizinern wie folgt eingeteilt:

Nahrungsmittel mit säuernden Auswirkungen:

  • Pasta und Reis
  • Brot und Weißmehlprodukte
  • Milchprodukte (Käse, Joghurt, Kefir und Co.)
  • Eier
  • Fleisch (je dunkler, desto ungesünder)
  • Verarbeitete Lebensmittel und Wurstwaren
  • Fisch und Meeresfrüchte

Nahrungsmittel mit einem basischen Effekt:

  • Gemüse und Gemüsesäfte
  • Frische Früchte
  • Grüner Tee und Kräutertees
  • Kaffee
  • Zitronen und Orangen
  • Spinat
  • Pilze
  • Kartoffeln
  • Bitterschokolade
  • Milde Kräuter

Wie wird die Übersäuerung im Körper gemessen?

Der wichtigste Faktor beim Thema Säure-Basen-Haushalt ist das Blut. Der normale pH-Wert des Bluts liegt bei ca. 7,4. Er schwankt minimal, doch bereits eine Veränderung um 0,05 pH-Nuancen kann drastische Auswirkungen haben. Sobald der pH-Wert längere Zeit unter dem Standardwert liegt, spricht man von einer Azidose. Eine Übersäuerung des Bluts kann wichtige Nervenstränge daran hindern, miteinander zusammenzuarbeiten und notwendige Informationen zu senden. Noch harmlose Folgen sind Migräne, chronische Schmerzen, Gicht und Neurodermitis. Viele betroffenen Personen klagen außerdem über Müdigkeit, Abgeschlagenheit und eine sehr geringe Belastungsfähigkeit.

Im schlimmsten Fall kann es zu Orientierungsstörungen kommen, die Menschen bis ins Koma bringt. Was Viele nicht wissen: Die Übersäuerung hat nicht wirklich etwas mit der Ernährung zu tun. Selbst wer enorm Säure lastig isst, wird es nicht schaffen, eine solche pH-Wert Änderung zu erzielen.

Gerade gesunde Menschen brauchen sich deshalb keine Sorgen zu machen. Eine Übersäuerung entsteht viel mehr dann, wenn die Nieren nicht mehr richtig funktionieren oder die Atmung und andere Funktionen des Körper gestört sind. Dies sorgt dafür, dass Säuren nicht mehr richtig verarbeitet werden können und der pH-Wert schwankt. Lediglich Menschen, die bereits an Diabetes Typ 2 erkrankt sind, sollten mehr auf ihre Ernährung achten, damit keine sogenannte Azidose entsteht.

Faktencheck: Was stimmt tatsächlich?

Laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung ist es tatsächlich richtig, dass es Lebensmittel gibt, die sich säurebildend und basenbilden auf den Körper auswirken. Im Gegensatz zur Annahme der meisten Menschen, hat dies aber nichts mit dem Geschmack des Nahrungsmittels zu tun. Somit wirken sich Zitronen, die äußerst sauer schmecken, tatsächlich basenbildend auf den menschlichen Körper aus.

Als Säurebildner werden Lebensmittel bezeichnet, aus denen der Körper mehr saure als basische Bestandteile, während der Verdauung, zieht. Basenbildner versorgen den Körper dagegen mit einem Überhang an basischen Bestandteilen. Trotzdem – und da ist sich die Deutsche Gesellschaft für Ernährung sicher – ist eine Übersäuerung keine Gefahr für den menschlichen Körper. Je nach Organ und Mechanismus ist Ihr Körper darauf angewiesen, mit basen- sowie säurebildenden Lebensmitteln versorgt zu werden. Zusätzlich dazu hat der Körper ein enorm gut entwickeltes Eigensystem, um mit den jeweiligen Nahrungsmitteln umzugehen. Überschüssige Säuren werden demnach einfach ausgeschieden. Trotzdem ist die Balance enorm wichtig. Wer sich dauerhaft ausschließlich oder überwiegend von Säurebildnern ernährt, kann früher oder später ein erhöhtes Risiko für Krankheiten aufweisen.

Lohnt sich eine basische Ernährung trotzdem?

Auch wenn gemäß der Deutschen Gesellschaft für Ernährung keine basische Ernährung notwendig ist und bis jetzt keine gesundheitlichen Vorteile nachgewiesen wurden, kann eine basische Ernährungsform durchaus gesund sein. Denn mittlerweile empfehlen immer mehr Ernährungsexperten, säureverursachende Lebensmittel zu reduzieren. Diese Empfehlung geht ebenso mit den generellen Grundsätzen von gesunder Ernährung einher:Wer viel Obst und Gemüse isst und dazu ausreichend trinkt, versorgt seinen Körper optimal mit Nährstoffen und hilft beim Abbau von Abfallstoffen. Auch zu viel Fleisch sollte auf Grund von verschiedenen Gesichtspunkten vermieden werden. Dasselbe gilt für Nudeln und Weißmehl. Wer stattdessen auf Nüsse und Hülsenfrüchte setzt, ist deutlich besser beraten. Wer sich also basisch ernähren möchte, kann dies gerne tun. Grundsätzlich empfiehlt sich eine besonders ausgeglichene Nahrungsmittelzufuhr mit mindestens 60 Prozent basischen Lebensmitteln.

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