Wie funktioniert eigentlich das Krafttraining?

Der einzelne Muskel hat wie auch die einzelne Muskelzelle und -faser mechanisch betrachtet nur eine einzige Fähigkeit: Er kann sich zusammenziehen, das heisst, der Muskel kontrahiert. Dabei arbeitet die Muskelfaser nach dem sogenannten “Alles-oder-nichts-Prinzip“, dass heisst, entweder zieht sich eine einzelne Muskelfaser aktiv mit der vollständigen, ihr gegebenen Kraft zusammen oder sie kontrahiert überhaupt nicht. Ist der nervliche Reiz, der die Muskelfaser erreicht und willkürlich erzeugt wird, gross genug, trägt er zur Gesamtkontraktion des Muskels bei; ist der Reiz zu schwach, wird der Muskel nur passiv mitgeführt. Der Teil der Muskulatur, die sich zum Beispiel in den Gefässen oder im Verdauungssystem befinden, ist die Skelettmuskulatur, auch quer gestreiften Muskulatur genannt, dem Willen unterworfen.

Das Stützgerüst unseres Körpers, das Skelett, besteht aus etwas 210 einzelnen Knochen, die gelenkig miteinander verbunden sind.

Jedes bewegliche Gelenk wird von mindestens zwei Muskeln überbrückt, die auf beiden Seiten des Gelenks über eine Sehne mit dem jeweiligen Knochen verbunden sind. Zieht sich der Muskel nun durch einen willentlich erzeugten Befehl zusammen, überträgt er die Kraft durch die Sehne auf den frei beweglichen Knochen. Haben sich die Knochen auf diese Weise maximal angenähert, kann der arbeitende Muskel, auch Spieler oder Agonist genannt, an dieser Bewegung nichts mehr verändern, da sich ja nur aktiv zusammenziehen, aber nicht aktiv Auseinanderschieben kann. Um die auf diese Weise angenäherten Knochen wieder auseinander zubringen, wird eine entgegengesetzte gerichtete Kraft benötigt. Diese wird durch einen auf der andere Seite des Gelenks wirkenden Muskel erzeugt. Dieser Muskel, der die vom Agnoisten erzeugte Bewegung umkehren kann, wird als Gegenspieler oder Antagonist bezeichnet. Ziehen mehrere Muskeln durch die Sehne mit dem Knochen wird als Ansatz oder Ursprung bezeichnet. Dabei ist der Ursprung die in der Regel näher zur Körpermitte gelegene, unbewegliche Verbindungsstelle, während der Ansatz die in der Regel weiter von der Körpermitte entfernt gelegene, bewegliche Verbindungsstelle darstellt.

Jeder einzelne der über 400 Skelettmuskeln kann ein Gelenk auf eine ganz bestimmte Art und Weise in Aktion versetzen. Diese Aktion hängt sowohl von der speziellen Bauweise des Gelenks als auch von den exakten Ansatz- und Ursprungsstellen des Muskels ab.

Letztlich geht es bei der Auswahl einer Kraftübung zum Training eines bestimmten Muskels oder Muskelbereichs nur noch darum, festzustellen, welche Funktionen dieser Muskel hat, dass heisst, welches Gelenk er auf welche Weise in Aktion versetzt. Auf diese Weise lassen sich zum einen für einen bestimmten Muskelbereich optimal geeignete Übungen auswählen, zum anderen lässt sich über eine Übung genau sagen, welche Muskeln an der Bewegung beteiligt sind. Hierbei können prinzipiell immer die Muskeln am stärksten an der Bewegung mitwirken, die die kürzeste Verbindungslinie zwischen den anzunähernden Knochen darstellen. Je besser diese Muskeln vor gedehnt sind, dass heisst, je länger der Arbeitsweg eines beteiligten Muskels ist, um so effektiver wird er durch die ausgewählte Übung angesprochen.

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