Wiegen oder nicht? Was sagt das Körpergewicht tatsächlich aus?

Wer vorhat abzunehmen, definiert sich meist über sein Gewicht. Der tägliche Gang zur Waage entscheidet über Sieg oder Niederlage. Denn wie jeder weiß: Das klare Ziel einer Diät ist es, Gewicht zu verlieren. Doch hat das Gewicht tatsächlich so einen großen Einfluss?

Immer wieder hört man, dass das Körpergewicht letztendlich unwichtig ist, da es vor allem darum geht, gesund zu sein und den Anteil an Körperfett zu reduzieren. Doch sollte ich mich nun wiegen oder nicht und was sagt mein Körpergewicht tatsächlich aus? Wir klären auf.

Was misst meine Waage genau?

Das größte Problem an Ihrer Waage: Sie misst nur Ihr Körpergewicht, aber nicht den Fettanteil Ihres Körpers. Wenn die Waage Ihr Gewicht ermittelt, wird dabei nicht beachtet, woher genau das Gewicht kommt. Handelt es sich dabei um Fett, Muskeln, Wassereinlagerungen, den Mageninhalt oder die Knochen?

Von daher ist das Körpergewicht nicht ausschlaggebend dafür, ob Sie in einer guten körperlichen Verfassung sind oder nicht. Wer beispielsweise intensives Krafttraining betreibt und dabei 3 Kilogramm Fett verliert und 3 Kilogramm Muskeln aufbaut, ist um einiges fitter und gesünder, wird aber auf der Waage dasselbe Gewicht vorweisen. Dabei kann der Körper um einiges schlanker und wohlgeformter aussehen. Dasselbe gilt für Menschen, die sich abends wiegen, nachdem sie eventuell mehrere Liter Wasser getrunken haben und sich den Magen mit frischem Gemüse und Protein gefüllt haben. Daran ist nichts verkehrt.

Die Waage wird aber dennoch ein relativ hohes Gewicht anzeigen und den Eindruck vermitteln, es hätte sich nichts getan. Ein wichtiger Punkt beim Wiegen ist ebenfalls die Körpergröße. Selbstverständlich wiegen größere Menschen um einiges mehr, als kleinere Menschen. Schon ein paar Zentimeter Größenunterschied können eine entscheidende Differenz ausmachen. Lassen Sie sich von Ihrer Waage also nicht stressen.

Wie kann es in wenigen Tagen zu starken Gewichtsschwankungen kommen?

Wenn Sie in nur wenigen Tagen rapide abnehmen, heißt das nicht, dass Sie tatsächlich auch Fett abgebaut oder erfolgreich abgenommen haben. Die Waage zeigt beispielsweise morgens immer weniger an, als abends. Das liegt ganz einfach daran, dass der Magen leer ist und sich dies im Körpergewicht niederschlägt. Ebenso kann jemand der viel trinkt, mehr wiegen, als jemand der wenig Flüssigkeit zu sich genommen hat. Dies verrät aber nichts über den gesundheitlichen Zustand des Körpers. Ebenso wird das Gewicht oftmals von kurzfristigen Gewichtsschwankungen beeinflusst, die aber nicht von Dauer sind. Dabei spielt Fett keine Rolle, sondern es handelt sich vielmehr um Schwankungen auf Grund von Verdauungsproblemen, Wassereinlagerungen, Stress oder hormonell bedingte Gewichtsschwankungen. Wer beispielsweise zu viel Salz zu sich nimmt, sorgt dafür, dass der Körper Wasser speichert. Dieses schlägt sich deutlich auf der Waage nieder, kann aber in kürzester Zeit wieder abgebaut werden. Dasselbe gilt für Stress. Auch bei Stress kann es zu Verdauungsproblemen und einem volleren Magen kommen. Da kann die Waage schnell mal ein  paar Kilos mehr anzeigen – ohne, dass dies direkte Auswirkungen auf Ihren Fettabbau hat. Bei Frauen spielt außerdem der weibliche Zyklus eine enorm große Rolle.

In der Regel dauert ein Zyklus 28 Tage und sorgt für starke Schwankungen von Östrogen und Progesteron. Dies führt zu massiven Wassereinlagerungen, die Gewichtsunterschiede bis zu 3 Kilogramm ausmachen können. In der Regel sind die Wassereinlagerungen in der zweiten und vierten Woche am stärksten. Sie haben einen großen Einfluss auf Ihr aktuelles Gewicht, sagen aber nichts über Ihre körperliche Fitness aus. Verlassen Sie sich deshalb nicht auf die täglich schwankende Anzeige Ihrer Waage, sondern wiegen Sie sich täglich und legen Sie dann einen Wochendurchschnitt fest. Dieser kann als sicherer Ausgangspunkt verwendet werden und dabei helfen, eine stetige Zunahme oder Abnahme zu überprüfen.

Wie kann ich zu starke Wassereinlagerungen vermeiden?

Natürlich sind Wassereinlagerung nichts Schönes und können Frauen, die davon betroffen sind, wirklich belasten. Die simpelste Methode, um Wassereinlagerungen zu vermeiden ist der Verzicht auf Salz und ein ausbalancierter Lebensstil. Gerade wer extrem gestresst ist – sowohl körperlich als auch physisch – neigt dazu, Wasser einzulagern und seine Verdauung zu behindern.

Als Stress kann auch ein zu hohes Trainingspensum gelten. Gönnen Sie Ihrem Körper also ausreichend Ruhephasen und sorgen Sie auch mental für stressfreie und erholsame Momente. Ebenso können Erkrankungen und der regelmäßige Zyklus zu Wassereinlagerungen führen. Dagegen lässt sich leider nicht viel machen, außer abzuwarten. Sie selbst wissen oft am besten, ob es sich um eine tatsächliche Gewichtszunahme handelt oder ob Ihr Körper nur Wasser speichert. Meist erkennen Sie es an einem aufgeblähten Bauch, einem etwas geschwolleneren Gewicht und an schweren Beinen. Lernen Sie die zusätzliche Kilos als Wassereinlagerungen anzuerkennen und zu akzeptieren. Dann kann Ihnen der tägliche Gang zur Waage auch keinen so großen Schrecken mehr einjagen.

Sollte ich mich nun wiegen?

Unsere Antwort hierzu ist: Jein. Selbstverständlich sollte jeder, der abnehmen möchte, sein Gewicht im Blick behalten. Sich darüber zu definieren und der Zahl auf der Waage zu viel Beachtung zu schenken, ist aber verkehrt. Denn wer gerade dabei ist Muskeln aufzubauen, wird sicherlich bald an Gewicht zulegen – und das kann als klarer Erfolg gezählt werden. Wer auf Crash-Diäten setzt, wird kurzfristig vielleicht Gewicht verlieren. Dies führt aber keineswegs zu einem dauerhaften schlanken und gesunden Körper. Denn bevor Ihr Körper Fett abbaut, verliert der Körper zunächst Wasser und im Zweifelsfall sogar Muskelmasse. Und merken Sie sich stets: Ihre Waage sollte nicht das Maß aller Dinge sein. Viel wichtiger ist es, was Sie im Spiegel sehen und ob Sie sich selbst mögen.

Denn wirkliche Trainingsfortschritte wie definierte Arme, starke Bauchmuskeln und straffere Schenkel kann eine Waage nicht messen, sondern sind lediglich mit bloßem Auge erkennbar. Wer es genau wissen möchte, sollte sich eine Waage zulegen, die das Körperfett misst. Doch selbst diese Waagen sind oftmals trotz hohem Preis nicht wirklich genau. Ansonsten machen Sie lieber alle paar Wochen ein Foto von sich und halten Sie Ihr Gewicht nur nebenbei im Blick. Denn Ihr Ziel sollte eher ein gestraffter sowie gesunder Körper und eine schlanke, wohlgeformte Silhouette sein, als ein ausgehungerter, dehydrierter Körper, der noch etliche Fettreserven einlagert.

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